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Das Rasseportrait

Krüper

Krüper

Genaue Aufzeichnungen über die Entstehung der Krüperrasse gibt es nicht. Unsere Krüper gehören aber zu den alten deutschen Landhuhnrassen, die hauptsächlich in Westfalen und im Bergischen Land gezüchtet wurden. Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts gab es bei Ausstellungen zwei Rassen, die westfälischen und die bergischen. Letztere waren in ihrer Form meist Schlotterkämme mit kurzen Beinen, sie hatten starke umliegende Kämme. Ihr Körper war wesentlich schwerer als der Schlag der westfälischen Rasse, die ein kleines Stehkämmchen und eine lange gestreckte Walzenform hatten. Ernst Rübenstrunk aus Wermelskirchen im Rheinland hat diese Rasse sein Leben lang verfolgt. So hinterläßt er uns in einem Werk folgendes: Wir hatten damals noch keine Ahnung davon, daß wir es hier mit einer alten Landhuhnrasse des nahen Westfalen zu tun hatten, die sich in einzelnen Exemplaren rein erhalten hatte. Im Bergischen Land wurden diese Krüper bodenständig, gewöhnlich in der Sperberfarbe, und als bergische Krüper führten sie den Namen Uellen oder Leindecker. Diese Bezeichnungen führten sie nach ihrer Farbe, nach ihrem Stand erhielten sie den Namen Kruphuhn.

Heinrich Brinckmann aus Gütersloh, ein bekannter Preisrichter des vorigen Jahrhunderts, hinterläßt uns folgendes: Unsere westfälischen Krüper werden in erster Linie im Regierungsbezirk Minden gezüchtet, und zwar in den Kreisen Bielefeld, Wiedenbrück und Halle. Das Krüperhuhn ist hier klein, wiegt etwa 1 1/2 bis 1 3/4 Kilo, der Hahn höchstens 2 1/4 Kilo. Das Huhn hat einen einfachen oder einen kleinen Rosenkamm. Die Ohrscheiben waren früher nicht weiß, sondern rotweiß und sind erst später durch Kreuzungen mit Minorka oder anderen Rassen weiß geworden.

Der Hauptfarbenschlag war schwarz. Allerdings zeigten 1891 die Bielefelder Züchter C. und G. Behrens vom Geflügelzuchtverein Bielefeld 1861 auch rebhuhnfarbige und silberhalsige und L. Ordelheide, Brockhagen, auch blaue Exemplare. Die schwarzen Krüper waren damals von bester Qualität bei den Züchtern Rudolf Schlichte, Steinhagen, E. Mutz, Wald, Emil Graf, Bech, Fritz Gerling, Arnsberg, H. Kopp, Gütersloh, und Fernholz, Lüdenscheid. Soweit die Angaben Heinrich Brinkmanns.

In den westfälischen Kreisen und im Bergischen Land waren die Krüper das Huhn der "kleinen Leute". Heuerlinge und Kotier hielten es auf ihren kleinen Besitzungen.
Normalbeinige Hühner, die auf der Futtersuche weit umherschweiften und dabei die Ländereien der größeren Bauern betraten, waren, um unliebsamen Streitigkeiten mit der "Herrschaft" aus dem Wege zu gehen, bei den vielen Heuerlingen und Köttern weniger beliebt. Diese Menschen hatten ihren für den Lebensunterhalt so wichtigen Acker direkt neben ihren Behausungen.

Es wäre jedoch vollkommen verfehlt, die Krüper-hennen als nicht vitale Hühner zu bezeichnen, die lediglich vor dem Fenster oder vor der Tür hocken würden, um auf Futter zu warten. Das Gegenteil trifft vielmehr zu, denn die Krüper sind sehr lebhaft und unermüdlich im Futtersuchen, doch begehen sie bei weitem nicht ein so großes Gebiet wie die langbeinigen Rassen. Allerdings ist ihre Scharrtätigkeit nicht sonderlich ausgeprägt. Das macht sie für kleine Hausgärten empfehlenswert.

Bei den Geflügelschauen um die Jahrhundertwende waren unsere Krüper in zwei Klassen ausgestellt, in westfälische und bergische. Spannungen waren die Folge. Richtete ein westfälischer Richter, so waren die bergischen Hühner häufig zu plump und hatten einen Schlappkamm. Richtete ein bergischer Richter, so waren die westfälischen vielfach zu leicht und hatten einen zu kleinen Kamm. Als dem Zuchtausschuß des Bundes deutscher Geflügelzüchter Ende des vorigen Jahrhunderts beide Rassen zur Anerkennung vorgeschlagen wurden, lehnte dieser die Anerkennung beider Rassen ab und fällte dann das Urteil: "Es gibt keine bergischen und westfälischen Krüper mehr, sondern nur noch Krüper."

Krüper

Der erste Zusammenschluß der Züchter des Krüperhuhnes war im Jahre 1904, zum ersten Vorsitzenden wurde Oberlehrer Ottemeyer aus Bad Salzuflen gewählt.
Die drolligen und dackelhaft wirkenden Krüper fallen in einer Gartenanlage schon ins Auge, die kurzen Läufe sind augenfällig, typisch für Krüper. Diese Rasse zählt nicht zu den Groß- oder Zwerghühnern, sondern gehört zu den Kleinhühnern. Dem Gesamteindruck nach präsentieren sich die Krüper als mittelschwere Landhühner mit verhältnismäßig gut entwickeltem, gestrecktem, waagerecht getragenem Körper auf sehr kurzen Beinen. Das Gefieder ist voll und lang. Das Wesen der Tiere ist sehr zutraulich. Die langgestreckte Form gewinnt noch durch den etwas vorgetragenen Hals. Die Tiere dürfen nicht steilschwänzig sein, ein Schleppschwanz ist aber auch verpönt.
Heute sehen wir auf unseren Schauen am meisten den schwarzen Farbenschlag. Wir wünschen uns hier ein Schwarz mit sehr viel Grünglanz, glanzlose Tiere sollten bei der Bewertung zurückgesetzt werden. Weiße Krüper wurden uns in den letzten Jahren wieder von dem Solinger Züchter Karl Evertz vorgestellt. Anerkannt sind auch die Farbenschläge schwarzweiß gedobbelt und schwarzgelb gedobbelt; doch sieht man diese Farbenschläge sehr selten. Gesperberte stellte uns der Züchter Rüdiger Wandelt aus Siegen in guter Qualität vor.
Besonders verdient gemacht haben sich neben den alten Pionieren die Züchter Hans Weber, Gevelsberg, H. Möhlmann, Sundern, F. Höfener, Steinhagen, H. Hülsmann, Steinhagen, und die Züchter Bokopp, Bassermann und Kurth.
Abgesehen von der Farbe, sind unsere Krüper eine internationale Rasse, mit nationaler Zuchtauffassung in der Form, die infolge der mutativen Entstehung das Interesse der Wissenschaft gefunden hat.

Eine Schwierigkeit in der Zucht der Krüper ist das Auftreten eines beachtlichen Prozentsatzes von Küken mit normaler Lauflänge, aber auch von nichtschlüpfenden Küken. Die eingefleischten Züchter nehmen wie bei unseren Chabo-Züchtern diese Tatsache hin. Auf Grund bekannter und erforschter Erbvorgänge wissen wir, daß es sich in der Kurzläufigkeit unserer Hühner um eine letale Erbanlage handeln muß. Das deutet auf den Todesfaktor hin und besagt, daß dieser Letalfaktor mit dem Erbfaktor für Kurzläufigkeit gekoppelt vererbt wird. Der Todeserbträger ist aber unwirksam, wenn er nur einmal in Tier auftritt und ist so für das davon betroffene Tier ohne Bedeutung. Treffen aber zwei solcher Erbträger zusammen, so führen beide das Embryo unweigerlich zum Tode. Danach war für die Wissenschaftler Dünn und Landauer die Annahme berechtigt, daß sie bei einer Verpaarung der Krüper miteinander und bei einer umfangreichen Nachzucht zu folgendem Ergebnis kommen müßten: l Teil reinerbig ist kurzläufig und damit völlig letal, 2 Teile spalterbig ist kurzläufig und damit lebensfähig.

Von wesentlichem Einfluß auf ihre typhafte Größe sind natürlich die kurzen Läufe. Ein Rassenmerkmal, das nicht nur in Westfalen und Deutschland auftritt, sondern auch im flandrischen Grenzland, in Schottland, Dänemark und Frankreich. In England und Schottland sind es die Dumpies oder Creepers, in Frankreich die Courtes pattes, in Dänemark die Ludehoen und in Holland die Dashoen. Verfolgen wir unsere alte Landhuhnrasse einige Jahrhunderte zurück. Erwähnt werden sie schon im Jahre 1596 in einer aus sehr alten Quellen zusammengestellten chinesischen Enzyklopädie zusammen mit sieben anderen Hühnerrassen. Sie wurden damals Hüpfer oder Kriecher genannt. Gybertus Longolius, ein deutsch-schweizerischer Gelehrter, erwähnt sie in seinem Werk Dialogus de avibus im Jahre 1544. Er schreibt neben gewöhnlichen Landhühnern von Krielhühnern, die sehr häufig sind, auf der Erde kriechen und mehr hinken als gehen.

Einige Jahre später berücksichtigt sie auch Konrad Geßner in Zürich 1550, wobei er die Bezeichnungen Schotthennen, Erdhennle und Däsehünle gebraucht und auf Longolius Bezug nimmt. Der Italiener Aldrovandi beschreibt in seiner Ornithologia 1600 ebenfalls die kurzbeinigen Hühner und bemerkt, daß sie gut leben und brüten. In England würden sie auf Grund ihres vorzüglichen Fleisches auch gern gegessen. Der Berliner Gelehrte Johann Leonard Frisch, dessen Buch im Jahr 1763 "Die Vorstellung der Vögel Deutschlands" nach seinem Tod herausgegeben wurde, kannte große Kriech- oder Kruphühner und außerdem ungarische Kriechhühner. Auch Linne erwähnt das Huhn mit den sehr kurzen Läufen. Der zur selben Zeit lebende Forscher Buffon, Frankreich, gestorben 1788, beschreibt das Huhn von Cambodge, das von den Spaniern aus Kambodscha auch zu den Philippinen gebracht worden sei, als ein Kriechhuhn, dessen Läufe so kurz seien, daß die Flügel auf dem Boden schleiften. Weiter gibt er an, das Kruphuhn gleiche stark den französischen Hühnern, die in der Bretagne wegen ihrer Fruchtbarkeit gehalten werden. Die Hühner hätten die Größe von Haushühnern, aber sehr kurze Beine.

Bei der Zusammenstellung des Zuchtstammes ist zunächst auf eine gute Kondition der Tiere zu achten, ebenso auf eine kräftige, langgestreckte Form. Im Laufe der Zeit sollte auch mal wieder ein langläufiger Hahn in die Zucht genommen werden,denn ständige Aufzucht kurzbeiniger Tiere hat zur Folge, daß die Eier auf Dauer nicht mehr befruchtet werden. Und das ist nicht Sinn einer gesunden Zucht. Erfahrene Krüperzüchter suchen sich für diesen Zweck niedrigstehende Hennen aus und setzen an diese einen etwas höher stehenden Hahn. Die Krüper sind eine ausgezeichnete Legerasse. Sie liefern die ersten Eier mit 5 bis 6 Monaten. Im Durchschnitt bringen sie es lebenslang auf 200 Eier. An die Ausläufe stellen sie keine großen Ansprüche. Über ihre Schönheit sagte einmal der alte Züchter Friedrich Wieden: Schön ist nicht schön, sondern Gefallen macht schön.

Rassebeschreibung und Bilder: Alexander Taubert
Webseite: http://gefluegelzuchttaubert.oyla2.de/cgi-bin/hpm_homepage.cgi
E-Mail: a-0123-alex@gmx.de

Der Letalfaktor des Krüper ist ein Punkt, mit dem sich auch das Tierschutzgesetz im §11b ("Qualzuchtparagraph") auseinandersetzt. Nach diesem ist es nun verboten, kurzbeinigen Krüper untereinander zu verpaaren, da bei einer solchen Verpaarung 25% der Küken im Ei sterben. Des weiteren fallen daraus 25% langbeinige und 50% kurzbeinige Tieren. Erlaubt ist heute nur noch eine Verpaarung von langbeinigen mit kurzbeinigen Krüpern. Dies ergibt dann 50% langbeinige und 50% kurzbeinige Hühner, die alle lebensfähig sind.
Daß sich manche Züchter immer noch nicht an diese Vorgaben halten, sollte niemanden dazu verleiten, ihnen dieses nachzutun, denn im Endeffekt schadet es nur der Rasse im Ansehen und eventuell durch ein Zuchtverbot.
Andreas Peters

Weiterführende Literatur
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Hühnerenzyklopädie
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Kunstbrut - Handbuch für Züchter
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Kramers Taschenbuch der Rassegeflügelzucht
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